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Transdolomiti Freeride-Tour 2007

Dem totgesagten Winter 2007 auf der Spur, wir fanden ihn...! Im März und April waren wir 3 Wochen in den Dolomiten: POWDER ALERT!!!

Es sollte eigentlich eine „Transalpine Freeride Roadtrip“ werden, 3 Wochen durch die Alpen touren, immer dem Schnee auf der Spur. Aber es wurde eine Transdolomiti Freeride Tour“. Die meisten hatten schon die Hoffnung und den Glauben an den Winter 2007 aufgeben, was war nicht alles über den Klimawandel in den Alpen zu lesen. Die einen flogen verzweifelt in die Rockies oder nach Kamtschatka, die anderen blieben zu Hause. Die Horrorszenarien ließen uns relativ kalt: „Der Winter kommt noch, spätestens Mitte März wird sich die Großwetterlage umstellen und Frau Holle wird ihre Kissen wie so oft in den Südalpen ausschütten“ hießen die Durchhalteparolen. Und so kam es dann auch. Der große „Swell“ wurde für die Schweizer West- und Nordalpen angekündigt, Euphorie machte sich breit, doch gleichzeitig – fast unbemerkt – bildete sich über der Adria ein kleines Italientief. Wir mussten eine Entscheidung treffen: Schweiz oder Südtirol. Wir fuhren nach Südtirol und wir erlebten den besten Winter unseres Lebens. Um es vorweg zu nehmen: In den drei Wochen fielen insgesamt 3 ½ Meter Neuschnee und jeder Tag war ein Powdertag. Aus dem kleinen Italientief entwickelten zwei große verbrüderte Adriatiefs, dem noch mehrere Balkan- und Genuatiefs folgen sollten. Eigentlich gelten die Dolomiten als Sonnenparadies, aber in dieser Zeit war es das „Powder-Paradise“: Nach den ersten Tagen haben wir gedacht, der Winter ist gerettet! Aber dann wiederholten sich die Tage aufs Neue. Und nach der zweiten Woche dachten wir, mehr kannst du einfach nicht mehr erleben und trotzdem es ging weiter. Und die dritte Woche war nur noch Zugabe. Es fällt mir nicht einfach diese drei Wochen tageweise zu rekonstruieren und zu beschreiben, zu viel ist passiert. Doch anhand der Photos lässt sich in etwa der grobe Ablauf herstellen.  

Als ich am Freitag anreiste und im Hotel La Villa noch meinen Freund Sam, der vorher wohl die wärmste Woche des Winters erlebt hatte, verabschiedete, und um in der darauf folgenden Woche an dem ersten Dolomiti-Freeride-Rennen durchs Mittagstal teilzunehmen, war bereits der Frühling eingekehrt. Am Samstagabend tagten wir im Hotel La Table und es bestätigte sich der Eindruck vom Mittagstal, dass ein Rennen mangels Schnee nicht stattfinden kann; es wurde mit einigen Grappas abgesagt. Doch wie die Ironie des Schicksals es wollte, am nächsten Tag setzte dann der fette Schneefall unverhofft ein....  Bei dem dichten Schneefall der ersten Tage war Treeskiing in Alta Badia auf dem Piz La Ila angesagt. Wer schon mal die legendäre Gran Risa gefahren ist, weiß wie steil der Wald ist. Dann die Waldabfahrten im kupierten Gelände am Fuße der Cinque Torri und des Lagazoi am Falzarego Pass und vor allem die fetten Powdertage in Cortina in den Wäldern der Falorie. Fast hätten die drei fantastischen Wochen ein frühes Ende gehabt, auf dem Falzarego überquerten wir am zweiten Tag eine Straßenkuppe und bei schneebedeckter Fahrbahn blockierte ein italienischer Audi die Straße. Er stand quer und es gab nur die Ausweichmöglichkeit in die hohen Schneewächten des Straßenrands. Der Neuschnee retteten unser Leben und vor allem das der italienischen Familie und ihrer zwei Kinder. Nach diesem Zwischenfall wussten wir, wir durften unser Glück nicht überstrapazieren und herausfordern. Auf diesen Schock tranken wir am Abend auf der Saison-Finish-Party der Las Vegas Hütte einige große Bier.

Es folgten dann zwei, drei sonnige Tage, wir zogen einige Big-Lines an der Marmolada und auf den Süd- und Nordhängen des Portovescovo und des Passo Padon. Dann wollten wir mit unseren italienischen Freunden Richtung Schweiz fahren, aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah: Erneut fiel ein Meter Neuschnee und wir entschieden uns zu Bleiben. Jetzt standen die großen Talabfahrten und Couloirs der Dolomiten auf dem Programm. Val Mezdi und Val Setus in der Sella, das Sassongher Couloir (Dark Valley), Cresta Bianchi und Canale Staunis Nord des Cristallo in Cortina, um nur einige zu nennen. Wir hatten nur „Erstbefahrungen“. Es war der totale Rausch, auch abends. Nicht nur Adrenalin floss durch unsere Adern, auch viele Biere in Andreas Küche und bei Sophia. Auf den zahlreichen halböffentlichen und privaten Hotel- und Hüttenparty’s in Altabadia knüpften wir viele, neue Freundschaften, die wir am nächsten oder am übernächsten Tag unverhofft im Powder wieder trafen und mit denen wir gemeinsam Ski fuhren. Digger musste dann leider nach zwei perfekten Wochen bei Neuschnee abreisen, ein für ihn schmerzhafter Abschied und für mich gleichermaßen herber „Verlust“ meines wichtigen Partners. Wieder stand Treeskiing auf dem Programm, insbesondere der Wald oberhalb der Ütia Bambi war wie für unsere Unternehmungen geschaffen. Für zwei Tage wechselte ich dann kurz den Standort und fuhr von La Villa nach Rocce Piatore zu meinem Freund Franco, um ein wenig mit ihm und seiner italienischen Freundin Ilaria in den kleinen Bars des Val Fiorentina zu chillen und zu regenerieren. Denn schon bald sollte der Akki mit seinen Freunden über Ostern anreisen. Akki war so heiß, dass er mit der Handinnenfläche die Skier hätte wachsen können, weil er zuvor in den kanadischen Rockies nur Dauerregen erlebt hatte.

 Wieder kündigte sich ein neues fettes Tief. Tagelang war an der Marmolada wegen schlechter Sicht und Lawinenwarnstufe 4 die obere Sektion gesperrt; dort oben lag mindestens ein Meter Neuschnee. Doch am jenen Mittwoch vor Ostern bescherte uns Petrus einen einmaligen Sonnentag. Wir schafften mindestens 10.000 Höhenmeter im besten Powder; es schien aber fast so, dass alle Freerider dieser Welt sich zu an einem einzigen Tag an der Marmolada versammelt haben um ein großes Fest zu feiern, nach jeder Abfahrt trafen wir weitere Bekannte, so dass am Ende unsere Gruppe aus rund 20 Deutschen und Italienern bestand. Wir harmonierten trotzdem sehr gut miteinander. Ich habe einige Powdertage an der Marmolada erlebt, normalerweise reicht ein Neuschneetag an der Marmolada für mindestens 3 Tage. Aber der Berg wurde an diesem Tag von Allen so platt gefahren, dass man annehmen musste, dass alle Freerider dieser Welt den ganzen Winter nur auf diesen Tag gewartet haben. Am nächsten Tag zogen wir, Akki, Anja, Yvonne, Marco und ich mit Vera, Pizza, Günther wieder einmal nach Cortina. Für unsere einheimischen Freunde war die Canale Staunis-Nord ihre persönliche „Erstbefahrung“! Nach einem harten Winter als Skilehrer erwischten sie die verdienten, perfekten Bedingungen in dieser 50 Grad und 2000 Höhenmeter steilen Couloir. Vera und Günter fuhren mit Snowboards, Akki und Pizza -so schien es zumindest- fuhren ihr eigenes persönliches Rennen in der gewohnten High-Speed-Manier. Für mich war es der perfekte Abschluss. Akki machte am nächsten Tag noch die Canale Holzer, aber nach einer rauschen Abschiedsparty im Irish-Pub von La Villa, zu der alle noch einmal gekommen waren, strich ich nach 3 Wochen fettestem Powder die Segel. Als ich am Fuße des Cristallo stand und mich nach der Staunis Nord umblickte, knatterten 20 Harleys an mir vorbei. Spätestens da wusste ich, die Skisaison ist vorbei und die Harley-Saison kann beginnen....

Photos in der Gallerie

Cristallo April 2007
Günter, Verena, Marco, Akki, Arnd, Stefan
Andreas und Arnd in Val Scura: The same style?